zen oder die kunst zu laufen;

Ich laufe gern. Ich interessiere mich für Zen. Ab und zu meditiere ich. Die meditative Versenkung des Zen erreiche ich oft auch beim Laufen. Dann meist sogar schneller und intensiver als beim Sitzen. Nun stieß ich bei der Suche nach einem Namen für einen Laufblog auf Zen-Running. Was es nicht alles gibt, dachte ich.

Die Meinungen sind gespalten. Die einen halten Zen-Running für einen Marketing-Coup ähnlich wie Zen-für-Manager, die anderen sind interessiert. So wie ich. Im Zen-Running wird Laufen, der Sport als Lebensphilosophie verstanden und ist der Weg für eine gesunde Seele.

Verschiedene Lauftechniken als Anleitung

Unterschiedliche Lauftechniken sollen dabei den Weg (!) dahin ebnen: Übungslauf, Meditationslauf, Energielauf, Reflexionslauf oder Reinigungslauf. Bei letztem geht es, wie der Name sagt, darum den Körper von aller negativen Energie und negativen Einflüssen wie Alkohol, Rauchen, schlechtem Essen u.Ä. zu reinigen. Doch das geschieht nicht etwa – wie ich erwartet hatte – durch einen schnellen, anstrengenden Tempolauf. Nein. Der Reiningungslauf wird in einem langsamen, lockeren Tempo ausgeführt. Auf die Uhr wird, wie bei den anderen Läufen im Zen-Running auch, nicht geachtet. Die Reinigung erfolgt mittels der Gedanken und der Konzentration: Mit jeder Atmung soll sich der Läufer vorstellen, wie er schlechte Energie ausatmet. Um die Wirkung zu verstärken, soll er sich diese dunkel vorstellen, die Luft, die er einatmet, dagegen hell und klar.

Puh. Ah ha.

Beim Meditationslauf (wieder im lockeren, leichten Tempo ausgeführt) ist der erste Schritt, sich auf eine Sache zu konzentrieren, auf ein Wort. Auf dieses Wort oder diese Silbe gilt es dann, sich während des gesamten Laufes zu konzentrieren. Jeder, der schon einmal meditiert hat, kennt diese Meditationstechnik: Ein Wort, eine Silbe, ein Mantra oder auch Zählen kann einem helfen, die Gedanken zu fokussieren.

Laufen ist Zen

Je mehr ich über Zen-Running lese, desto weniger erschließt sich mir der Sinn. Dagegen kommt es mir immer mehr so vor, als habe jemand versucht, die Gedanken des Zen dem Laufsport überzustülpen. Laufen ist Meditation, für mich zumindest. Wenn ich laufe, dann meditiere ich. Über das Leben, die Landschaft, die ich sehe, an der ich vorbeikomme, über Menschen, die mir begegnen, über mich. Je länger ich laufe, je besser ich in meinem Rhythmus bin, desto weniger denke ich bewusst, desto freier im Kopf werde ich.  Die Uhr am Handgelenk ist dabei kein Widerspruch – sie zeigt mir den Weg und mein Tempo. Sie bremst mich, wenn ich zu schnell bin und bringt mich zurück in die Konzentration.

Zen-Running – verkürzt bedeutet dieser – ja was ist es? Sport? Laufstil? – für mich: Achte auf dich und deinen Körper beim Laufen. Höre in dich hinein, höre darauf, was dein Körper dir sagt. Nimm es locker, genieße deinen Lauf und hab Spaß.  Sich ab und zu Ziele zu setzen, zum Beispiel für einen Laufwettkampf, dafür zu trainieren, hart, Grenzen zu verschieben, manchmal über die Grenze zu gehen, steht für mich nicht im Widerspruch zum Zen. Denn gerade dann gilt es, achtsam mit sich zu sein.

Den Namen für den Laufblog habe ich übrigens noch nicht gefunden. „Zen-Running“ wird er aber nicht heißen.

 

zen oder die kunst zu laufen;
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